Meditation (Dhyana) ist die Kunst, unvoreingenommen und klar beobachten zu können. Sie ist reine Beobachtung. Sie ist eine Aufmerksamkeit, in der jegliches Sentiment konstatiert wird. Sie ist keine Übung. Sie ist Intelligenz, die den ganzen Vorgang beobachtet, ohen zu analysieren. Denn die Analyse verhindert nur die klare Beobachtung. Die Menschen, die Fähigkeit der unverzerrte Beobachtung verloren haben, haben sie sich das Werk der Analyse eingearbeitet.
Meditation is nur eine Entschleierung dessen, was vor sich geht. Für einen analytischen Vorgang braucht man Zeit. Meditation ist aber nicht Denken und somit kein zeitlicher Vorgang. Das Denken bringt einen Denker hervor. Der Denker denkt, der Gedanke differiert von dem Denker. So versucht der Denker das Denken zu kontrollieren bzw. zu verdrängen. Hier beginnt die Trennung bzw. die Teilung. Wo es die Abtrennung gibt, existiert Verstimmung und Konflikt. Die Analyse bringt eine Segmentierung, eine Aufspaltung mit sich. Der Analytiker nimmt an, Wissen zu besitzen und befähigt zu sein, das Objekt der Analyse zu analysieren. Analyse ist eine dauernde Interpretation in der Wechselwirklung zwischen den beiden.
Beginnt aber der Analytiker sich vom Analysierten nicht zu unterscheiden, beginnt der Denker sich von dem Gedanke nicht zu differenzieren, denn es kann keinen Denker getrennt von dem Gedachten geben, dann beginnt man die Kunst der Meditation zu erlernen. Meditation ist eine ziemlich komplexe Eingelegenheit. Dafür bracht man sehr viel Geduld. Geduld repräsentiert Beoabchtung. In dieser Beobachtung kann die Verhaltensweisen des Ego aufgedeckt werden. Meditation ist Erkenntnis der eigenen Fähigkeiten und eine Entdeckung, was Liebe ist, was Tod ist und was das ist, das man als Leben hinstellt.
Meditation fordert Geistesgegenwart und Aufmerksamkeit in diesem Moment. Das Wiederholen von Mantras oder das Ausüben spezielle Atemübungen haben mit Meditation nichts zu tun. Aber sie bringen den Geist dorthin, wo Meditation möglich ist.
Eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Meditation ist die Dunkelheit. Um heraus zu finden, was Meditation ist bzw. was sie definitiv nicht ist, ist die Dunkelheit nötig. Meditation lässt sich nur in der Dunkelheit realisieren, denn in der Meditation geht es um das Nichts. Als nichts da war, war nur Dunkelheit da. Wenn alles verschwindet, wird noch Dunkelheit da sein. Und sie ist so ewig und so nah. Sie ist unsere erste Wirklichkeit.
Genaus so wie unsere makrokosmische Galaxie in eine Ballung “Dunkle Materie” liegt und von einer noch geheimnisvollen “Dunkle Energie” durchdrungen ist, so ist unser eigenes mikrokosmisches Sein, von der dunklen Materie und der dunklen Energie des Samskara umschlossen. Die Entdeckung dieses Bereichs ist Meditation. Meditation und Dunkelheit bedeuten ein Sammeln aller Energie. Dieses Energie ist notwendig, um ohne Zeuge zu beobachten.
Kurosh Seghatolesami
Nov. 2004, Wien

