Die Angst vor der Undruchsichtigkeit des Grundes führt dazu, dass der Mensch immer mehr sich scheut, mit diesen dunklen Bereichen Verbindung aufzunehmen. Der Mensch hat Bedenken, in dieses Dunkle einzutauchen, sich von ihm tragen zu lassen. Das ist die Undruchschaubarkeit des Lebensgrundes, die einem MEnschen Angst macht. Der Mensch würde lieber im klaren, möglichst sterilen Wasser eines scharf abgegrenzten Schwimmbeckens eintauchen.
Die Angst vor dem Tod und dem dunklen Grund des Lebens kann zum Verlangen nach möglicht großer Sicherheit führen. An die Stelle der ständigen kreativen Erneuerung tritt der Wunsch nach totaler Absicherung und Verwaltetsein. Der Verlust der Tiefe wäre dann endgültig. Der Mensch, der den Tod nicht erkennen kann, wird auch das Leben nicht erkennen. Wer vor dem Tod Angst hat, hat auch vor dem Leben Angst, denn nur das Leben bringt den Tod.
Kurosh Seghatolesami
Nov. 2004, Wien
